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50.000 Menschen Protest: Castortransport 2010

Vorausgegangen waren bewegende Tage in Wendland: Ganze 50.000 Menschen hatten sich an dem vergangenen Samstag zum Protest gegen die Atom-Kurs-Politik der deutschen Bundesregierung bei einer großen Kundgebung im Ortsteil Splietau in Dannenberg versammelt – direkt in Sichtweite zur Castor-Verladestation.

In den folgenden Tagen hatten sich tausende Menschen an den vielen, unterschiedlichsten Aktionen zu dem Zweck des Stoppens des Castor-Transports beteiligt: Gemeindehäuser und Kirchen boten Wärme und Schutz, die vielen Sach- und Essenspenden zeigten, dass die unzähligen auswärtigen Protestler mehr als nur willkommen waren.

Es wird berichtet, dass es ganz allein dem besonnenen Verhalten der vielen Demonstranten zuzusprechen sei, dass die befürchtete und oft zitierte: “Schlacht um Gorleben”, nicht einmal im Ansatz stattgefunden hat.

Trotzdem: Das Polizei-Einsatzkonzept, vor allem in solchen Situationen, in welchen theoretisch De-Eskalation ausgeübt werden sollte, ist Berichten zufolge erneut gescheitert. Teilweise wird erzählt, dass geradezu Jagd auf einige Demonstranten gemacht wurde, die Sonntag versuchten die Bahnstrecke mutmaßlich zu beschädigen bzw. zu zerstören. Ebenso der nächtliche (rechtswidrige) Einschluss einiger Sitzblockierer bei Minustemperaturen sei erschreckend gewesen.

“Atomstaat und Rechtsstaat beißen sich, wenn der Castor rollt, bleibt die Demokratie auf der Strecke.”

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Castortransport: Über 500 Verletzte durch Polizeiübergriffe und 2190 Dosen Reizgas

Castortransport: Über 500 Verletzte durch Polizeiübergriffe und 2190 Dosen Reizgas

Eine traurige Bilanz friedlicher Proteste: Die Demo-Sanitäter haben ihre Auswertung vom Castortransport nach Gorleben veröffentlicht. Mindestens 505 Verletzte mussten nach Polizeiübergriffen behandelt werden, in den meisten Fällen Opfer von Reizgas. Die Polizei veröffentlichte entsprechende Zahlen: 2190 Dosen Reizgas seien beim Castor gegen Demonstraten eingesetzt worden. Nun wird ein Verbot gefordert.

Allerdings hätten nur die Hälfte aller eingesetzten Sanitäter Rückmeldung gegeben. Daher ist davon auszugehen, dass die Zahl der Verletzten in etwa doppelt so hoch gewesen ist.

Die Bilanz der Demosanitäter:

  • 4. November, Metzingen (Blockade der B216): 1 Verletzte Person durch  Schlagstockeinsatz
  • 6. November, Splietau (Auftaktdemo): 30 Verletzte durch Pfefferspray, 1 verletzte Person durch Schlagstockeinsatz
  • 7. November, Köhlingen: 17 verletzte durch Pfefferspray, 25 Verletzte durch Schlagstockeinsatz, 1 verletzte Person durch Schläge/Tritte/Pferde
  • 7. November, Metzingen: 6 6 4
  • 7. November, km 189-193 (Castor schottern): 278 durch Pfefferspray, 63 durch Schlagstockeinsatz, 8 Verletzte nach Schlägen, Tritten oder Pferdeeinsatz
  • 7. November, Pommoisel: 3 verletzte Personen nach CS-Gaseinsatz
  • 7. November, Harlingen: 53 durch Pfefferspray, 8 Verletzte durch Schlagstockeinsatz, jeweils eine verletzte Person durch Schläge/Tritte/Pferde und CS-Gas.

Summe:

  • 384 Verletzte durch Pfefferspray
  • 103 Verletzte durch Schlagstockeinsatz
  • 14 Verletzte durch Schläge / Tritte / Einsatz von Pferden
  • 4 Verletzte durch den Einsatz von CS-Gas
  • Behandlungen von Verletzungen durch Polizeiübergriffe: 505
  • Krankenhausbehandlung (Notarztwagen): 12
  • Übergriffe durch Polizei auf SanitäterInnen: 2
  • Behandlungen durch selbstverursachte Verletzungen, Schwäche etc.: 51

Ca 20 Prozent der Beteiligten an der Aktion “Castor Schottern” hatten nach Angaben der Sanis Pfefferspraybeeinträchtigungen, viele DemonstrantInnen sind trotz Verletzungen freiwillig unbehandelt nach Hause gefahren.

2190 Dosen Reizgas

Synthetisches Pfefferspray wurde laut eines Schreibens des parlamentarischen Staatssekretärs im Innenministerium, Ole Schröder (CDU) an die Linken-Abgeordnete Ulla Jelpke in großem Maße von der Polizei bei den Demonstrationen gegen den Castortransport im Wendland eingesetzt: 2190 Dosen seien leer gesprüht worden.

Jelpke zeigte sich entsetzt über die Auskunft aus dem Ministerium:

“Schon alleine die Dimension dieses Reizgaseinsatzes zeigt, welcher Polizeigewalt die Demonstranten ausgesetzt waren. Mit der Verhältnismäßigkeit der Mittel ist das schlechterdings unvereinbar.”

Für Aufsehen sorgt ein Gutachten des Wissenschaftlichen Diensts des Bundestags, das die Linke in Auftrag gegeben hatte. Dort heißt es, der Körper reagiere auf Pfefferspray mit heftigen Symptomen, die zu einer meist vorübergehenden körperlichen Beeinträchtigung führen. Aber auch bleibende körperliche Schäden und seelische Schäden sind nicht auszuschließen.

In einem Brief Lotters an Innenminister Thomas de Maizière (CDU) fordert der FDP-Bundestagsabgeordnete Erwin Lotter, für Demonstrationen den Einsatz von Alternativen zu prüfen, die “medizinisch wie praktisch weniger komplikationshaft” seien als der Einsatz von Pfefferspray. Die Linke im Bundestag will anlässlich der Vorkomnisse beim Castor und in Stuttgart zukünftig den Gebrauch von Pfefferspray verbieten lassen.

  • Augenzeugen und Videos zeigen deutlich, dass die Polizei besonders an den Schienen nicht gezielt sondern wahllos das Reizgas in die Menge gesprüht hat. Auch Journalisten seien betroffen gewesen.
  • Der Einsatz von Reizgas gipfelte in Laase damit, dass ein Kletterer aus 4,5 Metern vom Baum fiel und schwer verletzt wurde.

Prügelnder Sanitäter bei “Castor schottern” (KEIN Demo-Sani!)